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Electronic Commerce for Developing Countries (EC-DC)

Süddeutsche Zeitung 21/2/2001

Thema: Die IT-Welt vergisst Afrika (Printed version)

Autor: Lars Reppesgaard

Web: http://www.sueddeutsche.de/)

Eine Unternehmensgrafik der japanischen Telekommunikationsfirma KDD.Conos AG erweckt den Eindruck, als sei sie zu Zeiten von Vasco Da Gama und Christof Columbus entstanden: Insgesamt 48 Tochterunternehmen hat das Unternehmen auf dieser Weltkarte eingetragen, darunter Firmen in Australien, America, Asien und Europa. Afrika aber ist ein weißer Fleck. Nicht eine Anlaufstation ist dort verzeichnet.

Die Standortpolitik des japanischen Unternehmens ist kein Einzelfall: Das Gros der weltweit agierenden High-Tech-Unternehmen ignoriert den schwarzen Kontinent. Microsoft-Chef Steve Chase hält die rund 44 Millionen Einwohner Südafrikas für "keinen Markt". Und Herbert Heitmann, Sprecher des Walldorfer Software-Herstellers SAP, gibt offen zu: "Von den Zahlen her findet Afrika bei uns und unseren Mitbewerbern nicht statt."

Der Hauptgrund für die Zurückhaltung ist die wenig entwickelte Telekommunikations-Infrastruktur des Kontinents. Bevor in Afrika Geld verdient werden könnte, müssten Unternehmen viel Kapital in Datenleitungen und Satellitenverbindungen investieren. "Und das ist für sie wenig attraktiv", sagt Günter Hollenbach, Fachplaner für Medien und Kommunikation bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn. Eine fatale Entwicklung, warnt Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul: "Länder, die von den Informationstechnologien ausgeschlossen bleiben, werden auf Dauer keine Entwicklungschancen haben."

Auch Afrikas IT-Branche spürt das globale Desinteresse. "Nicht ganz Afrika ist ein weißer Fleck für die Industrie, aber ein Großteil", sagt Peter Job, Gründer der südafrikanischen Softwarefirma Black Diamond Products. Die 780 Millionen Einwohner des schwarzen Kontinents besitzen so wenig Internet-Hosts, wie die 2,5 Millionen Einwohner Litauens. Lediglich Peter Jobs Heimat Südafrika und Ägypten gelten als Technologie-Oasen.

Vor allem Südafrika entwickelt sich für die wenigen interessierten Unternehmer als Eintrittstor zum afrikanischen Informationstechnologie- und Telekommunikations-Markt: Zwei Drittel der insgesamt drei Millionen Internetnutzer des Kontinents sind hier zu finden. Die nordamerikanische Cabletron Group investierte kürzlich 50 Millionen US-Dollar in südafrikanische Start-ups. Die Programmierer vom Kap gehören zu den Besten der Welt. Peter Job verkauft Software wie sein Datentransferprogramm "SockeToome" über das Internet in der ganzen Welt. Dirk Vermeulen, Geschäftsführer des südafrikanischen IT-Dienstleisters chainNet, wundert das nicht: "Die Apartheid-Jahre haben uns vom Rest der Welt ausgeschossen. Improvisieren zu lernen, war deshalb unumgänglich."

ChainNet ist eine Tochter der Hamburger Emprise Managment Consulting AG. Die Hanseaten gehören zu den wenigen deutschen Unternehmen, die am Kap den Einstieg in den Markt gewagt haben. ChainNet hat mit der South African Chamber of Business (SACOB) ein Joint Venture gegründet. Die Chambernet getaufte Kooperation stellt für die rund 40.000 Mitgliedsunternehmen der südafrikanischen Handelskammer Internet-Serviceleistungen bereit. Erwartetes Geschäftsvolumen: 15 Millionen Mark. Über ein Business-Portal können die Kammer-Mitglieder auf Shop- und Auktionssysteme zugreifen. Auf der Einkaufsplattformen sollen sie ihre Macht vereinen. "Die kritische Masse, um solche Projekte sinnvoll zu betrieben, ist in Südafrika erreicht", sagt Vermeulen. Er räumt aber ein, dass Afrika kein einfacher Markt für Investoren ist. Selbst im hoch technologisierten Südafrika, wo Strom und Telefon nicht plötzlich ausfallen, die politischen Verhältnisse stabil, das Bankwesen hoch entwickelt und die rechtlichen Grundlagen für Geschäfte eindeutig sind, herrschen eigene Gesetze. "Die südafrikanische Wirtschaft ist sehr in sich geschlossen," erklärt Vermeulen. "Man braucht jemanden, der Türen öffnet und die Kultur versteht."

Die IT-Branche am Kap boomt: Südafrikanische Banken, die zu den modernsten der Welt gehören, geben sechsstellige Summen für Online Banking-Projekte aus. Die Fracht- und die Automobil-Industrie arbeitet an B2B-Projekten. Aber Südafrika taugt nicht als Blaupause für andere afrikanische Staaten, die mit ihrer Teilhabe an der digitalen Revolution den Rückstand zu den entwickelten Ländern aufholen können. Schon innerhalb des Landes ist die digitale Kluft spürbar. Nur drei Prozent der an der südafrikanischen Börse gelisteten Unternehmen werden von Schwarzen betrieben. Dirk Vermeulen: "Heute spielt die Hautfarbe eigentlich keine Rolle mehr. Wer gut ist, bekommt den Job. Während der Apartheid spielte die Hautfarbe aber natürlich eine Rolle, auch für Karriere und Ausbildung. Wir unterstützen immer noch unsere schwarzen Kollegen dabei, diesen Rückstand aufzuholen."

Groß ist auch noch die Kluft zwischen Südafrika und dem Rest der Kontinents. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben südlich der Sahara außerhalb Südafrikas nur 500.000 Afrikaner einen Internetanschluss. Africa Online, einer der größten afrikanischen Provider, hat im Heimatland Kenia ganze 17.000 Einwahl-Kunden. "Der Zugang zum Netz ist so teuer wie in Europa," erklärt Mike Jensen, Wirtschaftsberater in Kapstadt, "und das bei sehr viel niedrigeren Pro-Kopf-Einkommen." Dass es die Afrikaner dennoch ins Netz drängt, belegt laut David Tongue vom Internetportal Afrika-Links in Berlin die Vielzahl von Internetcafes in den afrikanischen Städten: "Sie sprießen wie Pilze aus dem Boden."

Den meisten Staaten fehlt das Geld, um selbst Internet-Projekte anzuschieben. Die International Telecommunications Union (ITU) der Vereinten Nationen hat deshalb das Programmen "Electronic Commerce for Developing Countries" entwickelt. Die ITU stattet Menschen in 24 kaum entwickelten Ländern mit Know-how, Hard- und Software aus, damit sie zu aktiven Mitspielern in globalisierten Ökonomie werden können. "Es geht nicht darum, dass sie bei Amazon Bücher bestellen", sagt Alexander Ntoko, Projektmanager E-Commerce bei der ITU. "E-Business soll helfen, weltweit Kunden zu gewinnen und Zwischenhändler auszuschließen. Sie bekommen dann die Preise, die in der Ersten Welt für Kunsthandwerk oder andere Produkte gezahlt werden."

Große Hoffnungen setzt der Kontinent auf ein gigantisches Unterseekabel. "AfricaOne" heißt das 1,9 Milliarden Dollar teure Projekt eines gleichnamigen internationalen Investorenkonsortiums. Bis 2002 soll ein Glasfaserkabel entlang der Westküste von Südafrika nach Marokko und Spanien gelegt werden, eine Leitung an der Ostküste soll folgen. Ziel sind leistungsfähige Internet- und Telekommunikationsverbindungen zum Rest der Welt. "Afrika braucht ein zuverlässiges und günstiges Kommunikationsnetz", erklärt AfricaOne-Geschäftsführerin Patricia Bagnell. "Während der Rest der Welt auf dem Information-Highway rast, riskiert Afrika die ökonomische Isolation, weil es keine Auffahrt gibt."

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Updated : 2001-08-20